Tourstart und noch mehr Grenzen

Unsere OMNIBUS- Tour 2026 startete am 10. April und führte uns zum Auftakt nach Wiesbaden ins Schloß Freudenberg. Seit vielen Jahren finden dort die vierteljährlichen Mitarbeitertreffen des OMNIBUS statt.

Schon im Vorhinein stellten die Vorbereitungen, innerlich wie äußerlich, jeden beteiligten auf die Probe.

Der Geschäftsführerwechsel ist nun auch formal beschlossene Sache.

Werner, der Senior Fahrer des OMNIBUS lebt mit dem Gedanken, dass dies seine letzte Tour werden könnte.

Mir scheint als würde dieses Jahr von uns allen fordern, unsere Grenzen kennen zu lernen und auch zu setzen. Mittendrin befinden wir uns im „Generationenwechsel“ ein Wort das langsam alt wird und irgendwie nur ein Stellvertreter ist, der nicht wirklich Aufschluss bietet worum es eigentlich geht. Eine Unternehmung wie die des OMNIBUS nicht zu verwässern, wenn es daran geht Positionen weiterzugeben die sich besonders durch individuelle Signaturen ausgezeichnet haben bietet dabei ein zusätzliches Spannungsfeld.

In einem klassischen wirtschaftlich agierenden Unternehmen, gibt es einen Leitfaden. Jobs kommen mit einem klaren Aufgabenbereich. Die Vorgänge die das Unternehmen am Leben erhalten sollen sind weitestgehend Maschinisiert, standartisiert, entindividualisiert. Selbst aber in solchen Unternehmen gilt das nicht für die Unternehmensspitze.

Bei uns kommt erschwerend ein Anspruch hinzu, der nennt sich Soziale Plastik und sagt: jeder Mensch ein Künstler. Wenn ich das ernst nehme stehe ich dadurch vor zweierlei Herausforderung.

Ich habe den Führerschein für den OMNIBUS und bekomme von der Gründergeneration das Vertrauen zugesprochen mich verantwortlich um den fahrenden OMNIBUS zu kümmern. Im Fahrenden OMNIBUS hat Werner Küppers die Arbeit und im besonderen die Gespräche zu einer Meisterschaft gebracht die auf grundlegende Weise seinem Wesen entsprechen. Er hat es zu einer Stimmigkeit gebracht zu der kein anderer kommen kann. Authentisch zur inneren Meisterschaft zu gelangen ist ihm gelungen.

Wenn ich tatsächlich in die volle Verantwortung trete gibt es zwar einige Gewachsenheiten die in Werners beisein Authentisch ( ihm entsprechend ) waren, das können sie aber für mich nicht unbedingt sein, denn ich bin ein anderer. Ich muss es zu meiner eigenen Meisterschaft bringen. Die allgemeine Gewohnheit steht mir dabei erstmal hinderlich im Wege, besonders meine eigene. Wie überwinde ich meinen Meister während er mit mir im selben raum lebt, ohne die Beziehung zu gefährden?

Für mich ist klar das gelingt nur mit dem ausdrücklichen Willen beider, denn dieser Weg ist nicht leicht zu gehen. Mein eigenes zu entwickeln, in dem Bereich in dem jemand sein Eigenes bereits entwickelt und lange gelebt hat, in einer Lebenssituation in der die Betten nur zwei Meter auseinander stehen, hat mich lange und immer wieder geängstigt. Denn mit meinem eigenen verändert sich auch die intime Lebenssituation meines Meisters. Das kann mir nur mit seiner Erlaubnis gelingen.

Umso glücklicher bin ich, dass dieses Mitarbeitertreffen – ich zähle die vorhergegangene Klausur noch dazu – mir nicht nur nachvollziehbar, sondern fühlbar eben diese Erlaubnis ausgesprochen hat.

Ich habe mich mit meinem eigenen gezeigt, nicht gerade von der bekömmlichsten Seite, aber es wurde angenommen. Es wurde für mich auch sichtbar wo die Anderen mich „Aushalten“ – also sich zurücknehmen um mir die Möglichkeit zu geben aus der Freiheit eine Entscheidung zu treffen – und ich konnte dankbar sein dafür und dabei zusehen wie meine eigene Kapazität, meinerseits rücksicht zu nehmen wieder stieg. In unserem Generationenwechsel sind es vor allem unterschiedliche Geschwindigkeiten die herausfordern.

Das Resultat: Ich fühle mich gestärkt das zu tun was mir entspricht und angenommen wie ich bin. Der Druck den Ich von außen spürte und innerlich vergrößert habe durfte wieder auf eine Größe zusammenschmelzen in der ich meine Kreativität nicht opfern muss. Ich lebe mit den unterschiedlichsten Visionen, dessen wie der fahrende OMNIBUS tatsächlich völlig in meinen Verantwortungsbereich übergehen könnte.

Mit 26 Jahren und einem großen Wunsch Partnerschaft und Familie zu leben werden meine Lebensentscheidungen hoffentlich bald nicht mehr nur mich betreffen. Eine solche Entscheidung wiegt schwer, will mit Ruhe bedacht sein und trotzdem nicht unnötig hinausgezögert werden.

Eine Woche sind Werner Ich und der OMNIBUS miteinander nun unterwegs. als erstes haben wir dem Stress gekündigt und ihn nach haus geschickt. Der Überlebensmodus ist nicht länger willkommen.

Ich bin voller Eindrücke und existenzieller Bewegungen aus dem Winter gekommen, sodass meine Bereitschaft schon wieder neue Eindrücke zu sammeln sehr begrenzt ist. Da hat sie sich schon ausgesprochen die Grenze. Meine Aufgabe ist es wachsam meine eigenen Grenzen wahrzunehmen und ernstzunehmen. Das ist Vorraussetzung für alles weitere. Ich kann für andere nicht Verantwortung übernehmen, wenn ich die Verantwortung für mich selbst nicht ernstnehme. Wenn ich mir selbst nicht wichtig bin kann ich anderen nicht nachhaltig Stabilität anbieten.

Ich lerne meine Grenzen lieben.

Mit ihnen will ich wieder spielen,

bewusst nach ihren Regeln.

durchlässig sich bewegend,

fest oder verschoben,

will ich sie seh’n und loben.

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