einen künstlerischen Prozess erlebe Ich dann als besonders interessant wenn der Künstler an seinem „fertigen“ Kunstwerk einen neuen Aspekt über sich selbst erkennen kann. In der bildenden und darstellenden Kunst ist mir ein solcher Prozess zwei mal gelungen. Das Ergebnis eines „fertigen“ Kunstwerks konserviert die Art und Qualität des Prozesses, den der Künstler mit dem Kunstwerk eingeht. Ich habe an den Schilderungen der Menschen die meine, diese beiden Werke gesehen haben erleben können, dass sie nicht nur mit dem Werk in Resonanz treten – und damit ihren eigenen Prozess eingehen – , sondern auch die Qualität erleben konnten, des Prozesses, welcher sich in mir abspielte. An ihren Schilderungen und meinen eigenen Betrachtungen waren diese, meine beiden „erfolgreichsten“ Werke diejenigen an denen ich noch Monate später neue Aspekte über mich selbst entdecken konnte. Aspekte, die sich durch meine Situative Seelenkonstitution in dem Werk konserviert haben und damit für mich plastisch betrachtbar wurden und in mein Bewusstsein treten konnten.
Jeder Mensch ist ein Künstler
Dieser Satz von Joseph Beuys wird für mich unter dieser Betrachtung sehr plastisch und gleichzeitig hat mir dieser Satz dazu Verholfen diese Betrachtung in Worte zu gießen und nach einer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Nach den Gesetzen der Logik ist das herleitbar, wenn man von Binnenweisheiten ausgeht die sich seit Jahrhunderten entwickelt gehalten und transformiert haben.
- Der Weg ist das Ziel
- Alle Wege führen nach Rom – Rom steht dabei als Stellvertreter eines Ziels das zur Zeit der Entstehung als Begehrenswert und Mittelpunkt der Welt im Europäischen Bewusstsein gelebt hat-
- nimm das Leben nicht so ernst, du kommst ja lebend nicht raus.
- Das letzte Hemd hat keine Taschen
Alle hier angeführten verweisen auf die Prozesshaftigkeit des Lebens. Sozusagen Leben = Prozess.
Nr.2 verweist zusätzlich darauf, dass „egal welchen Weg du wählst, du um deinen ‚Mittelpunkt‘ – dein Innerstes – nicht herumkommst. (Es gibt keinen „falschen“ Weg aus der Perspektive des Prozesses, denn er legt den Weg nicht fest – Auch das Ziel kennt den Weg nicht) Weg = Leben
Nr.1 birgt die deutlichsten Gemeinsamkeiten mit meiner Beobachtung des künstlerischen Prozesses. Der Prozess ist im Ergebnis erlebbar, wenn man seine Wahrnehmungsfähigkeit schult und darauf ausrichtet. Das gilt in allen Bereichen. Bei Lebensmitteln ist das sogar zählbar, messbar wiegbar. Eine Karotte aus der Demeter Landwirtschaft ist geschmacklich, optisch und nährwerttechnisch deutlich von einer „Industriekarotte“ unterscheidbar. Dass der Prozess etwas an dem Ergebnis ändert ist an sich keine Neuigkeit. Die Industrie versteht das insbesondere. Mit dieser Gesetzmäßigkeit wird allerdings nicht konsequent umgegangen. Wenn Ich hier über den Fertigungsprozess einer aufwändigen Maschine schreiben würde, müsste ich dazu nichts weiter erläutern, aber ich schreibe über die Kunst…
Nr.3 spricht der Verspieltheit, der Freude, der Leichtigkeit die Einladung aus. Alles Zustände der Kreativität. Philosophen aus der Alten und neuen Zeit, widmen sich nicht umsonst dem Spiel als fundamentales Motiv des Lebens ergo: Leben ist leichter bewältigbar ( sogar genießbar ) mit Kreativität und Spiel.
Das waren viele Worte um einfach zu sagen, das Leben ist ein Prozess, ein Prozess ist gestaltbar, Gestaltungsfähigkeit ist Kreativität in der Kreativität liegt die Schöpferkraft (Kraft neues zu denken, fühlen, machen).
Zwei Dinge dürfen der Wichtigkeit halber nicht vergessen und meiner begrenzten Zeit wegen nur erwähnt werden.
Damit es Kunst wird ist wichtig, dass sie öffentlich sichtbar ist, also dass das Kunstwerk einen Betrachter findet dem es nicht sagen muss „ich bin Kunst“. Das gilt auch für das Leben! Bin ich ein aufrichtiger Mensch, wenn ich meine Aufrichtigkeit nicht zeige – wenn sie in meinem Handeln nicht sichtbar ist?
Wenn du meine Gedanken dazu ausführlicher wissen willst, dann schreib einen Kommentar und das Thema bekommt einen eigenen Beitrag.
– und wann geht es endlich um Grenzen fragst du dich?
Tja das Thema Grenzen und der Impulsvortrag, der von mir dazu, anlässlich des bevorstehenden öffentlichen Samstag-Abendprogramms im Rahmen der OMNIBUS-Mitarbeitertreffen in Wiesbaden vorbereitet sein will, war für mich der Auslöser meine Gedanken zu sortieren und mit dir zu teilen.
Meine Vorstellung davon was dieser Text werden würde war eine andere. Mein Ziel ist der Prozess und ich vertraue darauf, dass ich dabei auch zu den Grenzen komme. Ob das Thema dir in diesem Text sichtbar wird weiß ich nicht.
Für diesen Text ist die Grenze meiner Konzentrationsspanne erreicht und Ich wette, deiner wahrscheinlich auch.
Falls nicht kannst du hier auch gleich weiterlesen.